Friedhof

Wer den kurzen Weg vom Marktplatz mit der spätgotischen St.-Michaelis-Kirche zum Alten Friedhof geht, kann Schritt für Schritt einen wichtigen kulturgeschichtlichen Einschnitt nachvollziehen. Der Alte Friedhof liegt, wie man heute noch am Verlauf der Straßen deutlich ablesen kann, außerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenzen. Er ist ein Zeuge der tief greifenden Reformation des Bestattungswesens, die im späten Mittelalter begann. Die alte Sitte, Grabstellen stets so nah als möglich am Altar – also in der Kirche bzw. um sie herum – zu wählen, war in die Krise gekommen. Auf den „Kirchhöfen” herrschte Raumnot, die hygienischen Verhältnisse waren bedenklich. So entschied man sich nach und nach, neue Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern anzulegen. Man kann die geistliche Zumutung, die damit verbunden war, nicht hoch genug einschätzen: Nicht mehr in unmittelbarer Nähe zum Heil, zur Kirche, zum Altar sollten die Toten ihre letzte Ruhe finden, sondern draußen, wo man sonst nur die Ausgestoßenen verscharrte. Der Friedhof wandelte sich vom Kirchhof zum „Gottesacker”.

Gleichzeitig, und auch das kann man in Buttstädt mustergültig ablesen, nutzte das erstarkte Bürgertum dieser Zeit die neuen Anlagen zur Repräsentation. Mit dem arkadenumgebenen Gräberfeld, das heute gerne nach italienischen Vorbildern Camposanto genannt wird, entstand eine völlig weltliche Bauform. Dem widerspricht in keiner Weise, dass die imposanten Grabmale der Renaissance und vor allem des Barock die Honoratioren der Stadt stets als fromm und gottergeben vorstellen.

In Buttstädt entschied man sich, den Gottesacker an Stelle des bisherigen Friedhofes der wendischen Johannisgemeinde anzulegen, der, einen Steinwurf vor den Toren von Buttstaedt major gelegen, ideal geeignet war. 1591 wurde das Gelände erweitert, man begann mit dem Bau der Arkadenhallen. Noch heute schmücken eine Buttstädter Lilie und die Jahreszahl 1592 die Außenseite des Tores. Die alte Anlage wurde samt der wendischen Johanniskirche ein Opfer des Stadtbrandes von 1684, wenn auch offenbar einige Elemente, zum Beispiel einige der Sandsteinsäulen, die die Arkaden tragen, wieder verwendet wurden.

Der Turm der Johanniskirche markiert die Lage des Friedhofs vor den Mauern Buttstädts.

Im Unterschied zu anderen mitteldeutschen „Campisanti” war der Buttstädter Friedhof sicher nie ganz von Arkaden umschlossen. Die beiden Säulengänge, die den Gottesacker nach Norden und nach Osten begrenzen, bergen einige der schönsten Grabmale aus allen Belegungsepochen seit der Renaissance. Auf dem Gräberfeld, das sich leicht abfallend nach Südosten öffnet, sind nur ein Bruchteil der Grabmale erhalten geblieben. Der Friedhof muss zur Mitte des 19. Jahrhunderts völlig überbelegt gewesen sein, dies war schließlich der Anlass, die alte, nicht mehr erweiterbare Anlage zu schließen und einen neuen Friedhof in der Nähe zu eröffnen.

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