Grabmale

Wie viele Grabmale der Alte Friedhof bei seiner Schließung im Jahre 1861 zählte, ist nicht bekannt. Heute stehen unter den Arkaden noch 40 Steine, was in etwa der Belegung am Ende der Nutzungsperiode entsprechen dürfte. Von den Grabmalen auf der Freifläche ist – mit 101 Steinen – sicher nur ein Bruchteil erhalten geblieben.

Obwohl der größte Teil des Buttstädter Grabmalbestandes offenkundig verloren ist, repräsentiert er immer noch ein breites Spektrum an Denkmalen unterschiedlicher Epochen der Kunstgeschichte:

Grabmale der Renaissance

Vier Steine stammen aus der Entstehungszeit des Friedhofes um die Wende zum 17. Jahrhundert. Mit ihren völlig unterschiedlichen Formen reflektieren sie noch den Wandel der Bestattungskultur, dem der Friedhof selbst seine Entstehung verdankt.

So ist das Grabmal der Familie Brickener-Mattern als Epitaph gestaltet, eine Grabmalform, die für das 16. Jahrhundert charakteristisch ist. In seinem altarähnlichen Aufbau erinnert es daran, dass Epitaphen ursprünglich an den Innenwänden von Kirchen angebracht wurden – ein Beispiel für die Übertragung der überlieferten Trauersitten auf den neuen Bestattungsort.

In der Tradition mittelalterlicher Grabmale stehen die die Grabplatten von Magdalena und Bartholomeus Matthei, und das, obwohl sie wahrscheinlich nach dem Brickenerschen Epitaph gesetzt wurden. Eingelassen in die Fußböden von Kirchen und Kreuzgängen erfüllen vergleichbare Platten meist ihre ursprüngliche Funktion, ein Grab zu verschließen. Später erscheinen sie aber auch losgelöst von der jeweiligen Grabstelle, nunmehr als Gedenktafeln an Kirchenwänden oder, wie hier, auf Friedhöfen.

Der älteste erhaltene Stein scheint das kleine, unscheinbare Grabmal für Anna Margareta Seiler zu sein, darauf weisen die ungewöhnliche Schrifttype und die alte Sprachform der Inschrift hin.

Grabmale des Barock

Das heutige Erscheinungsbild des Friedhofes wird entscheidend von barocken Grabmalen geprägt. Alle Aufmerksamkeit lenken dabei zunächst die prachtvollen Grabmale der Honoratioren unter den Arkaden auf sich, und das entspricht durchaus den Interessen der alten Buttstädter Oberschicht.

Durch die geschützte Lage sind ihre mitunter sehr aufwändigen Inschriften gut erhalten, im Gegensatz zu den stark verwitterten Grabmalen auf der Freifläche. Hier lassen sich dafür besonders schöne Werke der Bildhauerei und extravagant anmutende Grabmalformen wie die „Ehrensäulen” entdecken.

Neben einigen interessanten frühbarocken Grabmalen sind die meisten Barockgrabsteine in Buttstädt dem Hochbarock bzw. dem so genannten „Rokoko” zuzordnen.

Grabmale des Klassizismus

Auch der Klassizismus hat auf dem Buttstädter Friedhof Spuren hinterlassen.

Im Unterschied zu ihren barocken Vorgängern fallen diese Grabmale erst beim zweiten Hinsehen auf, wobei die Zurückhaltung in der bildhauerischen Gestaltung programmatisch ist. Blockhafte geometrische Formen und schlichtes Dekor sind Stilmerkmale dieser Epoche, die ihre Gestaltungsideen auf die Antike bezieht.

Gleichbleibend hoch ist die Qualität der Steinmetzarbeiten, so dass schöne Beispiele wichtiger Elemente klassizistischer Trauersymbolik erhalten sind, zum Beispiel die Uroboros-Schlange, der Todesgenius, die abgebrochene Säule und die ausgelöschte Fackel.

Grabmale der Romantik und des Biedermeier

In der letzten Belegungsphase des Friedhofs scheinen die flach auf dem Boden liegenden Kissengrabsteine die beliebteste Grabmalform gewesen zu sein.

Ein rätselhaftes Beispiel romantischer Grabkunst ist die Eichenimitation unmittelbar vor der närdlichen Säulenhalle, die ungefähr so alt sein muss wie der neben ihr wachsende Eichbaum. Eine wohlüberlegte Komposition?

Zu den jüngsten Grabmalen auf dem Friedhof gehören gusseiserne Grabkreuze, von denen die meisten allerdings den Verschrottungskampagnen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen sein dürften.

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